Historie

Die Ursprünge des ältesten Schwelmer Vereins

14.08.1790, Hagen. Vier Freimaurer sitzen beisammen. Sie gehören Logen in Bochum, Wesel und Kleve an, leben allerdings in Haspe, Hagen und Unna. Schwelm ist in diesen Jahren ein bedeutendes Zentrum kulturellen Austauschs, ein verkehrgünstig gelegener Angelpunkt für viele Städte und Ortschaften. Die vier Brüder beschließen an diesem zentralen Ort eine Loge zu gründen. Im Dezember des gleichen Jahres trifft man sich erneut, diesmal in größerem Kreis in einem Wirtshaus am Schwelmer Brunnen. Geld für die Ausstattung der Loge wird gesammelt, ein Nebengebäude des Wirtshauses als vorläufiges Logenlokal angemietet, der Vorstand gewählt, einer der Brüder beauftragt, im Rahmen einer Geschäftsreise bei der Landesloge in Berlin um Anerkennung zu ersuchen.

Stiftung und Namensgebung

Die Großloge begrüßt die Gründung und schlägt gemäß den Gepflogenheiten mehrere Namen vor. Die Brüder entscheiden sich für den Titel „Zum goldenen Löwen“. Die offizielle Stiftungsurkunde wird auf den 25. April 1792 datiert.

Lehr- und Wanderjahre

In den folgenden Jahren wechselt die junge Loge mehrfach die Örtlichkeit. Über das heutige Sprockhövel zieht man schließlich nach Hagen, um der Mehrheit der Mitglieder näher zu sein. Immerhin dauerte die Reise anlässlich einer Logen-Arbeit für viele Brüder bis dato oftmals vier Tage. 20 Brüder zählt der Goldene Löwe zu diesem Zeitpunkt. 24 Jahre arbeitet man in Hagen, bis 1806 die Grafschaft Mark unter französische Herrschaft gerät und ein offizielles Logenleben nahezu unmöglich wird.

Der erste Neubeginn

Anfang 1814 wird die Arbeit mit 36 Brüdern wieder aufgenommen. Mitte März beschließen die Brüder, vermutlich ergriffen von patriotischer Freude über die Überwindung der Fremdherrschaft, die Loge umzubenennen. Die Große Landesloge äußert zwar Bedenken, stimmt dem Wunsch künftig „Zum Westfälischen Löwen“ heißen zu wollen jedoch zu. Der Hattinger Bürgermeister und spätere Richter Friedrich Rautert wird zum Logenmeister gewählt.

Schwelm und sein Statut

Rautert ist eine lebende Legende. Er hat seine Stadt und einen Familienvater mit nahezu schildbürgerlicher Gewitzheit vor drakonischen Strafmaßnahmen der französischen Besatzer bewahrt. Rautert widmet seiner Loge den bekannten Gedichtband „Männerlieder“.1816 legt er gesundheitsbedingt das Logenmeisteramt vorübergehend nieder. Joh. Chr. Brenscheidt springt ein, unter dessen Vorsitz die Loge ihren Sitz wieder nach Schwelm verlegt. Ein altes Wirtshaus am Schwelmer Brunnen wird gekauft. 1818 übernimmt Bruder Rautert erneut das Logenmeisteramt. Im Frühling des Jahres verfasst er ein bis heute für die Loge wichtiges Statut, welches u. a. die auch freimaurerische Pflicht zur Nächstenliebe und Verantwortlichkeit für den Mitmenschen umschreibt: „…Wo also ein guter Zweck irgendeiner Art erreicht werden soll, da dränge sich der Maurer bescheiden hinzu.“

„Feuertaufe“

1822 wählen die Brüder den Stahlfabrikant und Kaufmann Moritz Heilenbeck aus dem heutigen Ennepetal-Milspe zum Logenmeister. Fünf Jahre später, am 22.09.1827 werden die Schwelmer Brüder besonders gefordert. Eine gewaltige Feuersbrunst legt 41 Wohnhäuser, die katholische Kirche und eine Schule in Schutt und Asche.102 Familien verlieren über Nacht ihr Heim. Die Brüder Johann Daniel Bever und Moritz Scherz gründen mit anderen Schwelmer Bürgern einen Hilfsverein. Die Logen in Schwelm, Düsseldorf, Münster und Soest beteiligen sich. So kann ein beachtlicher Anteil des Wiederaufbaus finanziert werden. Auch die Loge muss neue Räumlichkeiten beziehen. Friedrich Hyronimus, ein Nachfahre von H. C. Hyronimus, in dessen Gasthof die Loge einst gegründet worden war, erbaut den Gasthof „Märkischer Hof“. Im zweiten Stock weihen die Brüder mit einer feierlichen Arbeit ihren neuen Tempel am 01.08.1829 ein. Die Loge zählt zu dieser Zeit etwa 80 Mitglieder. 105 Jahre bleibt den Schwelmer Brüdern dieser Logensitz erhalten.

Denker, Dichter, Ehrenbürger

1836 übernimmt Johann Daniel Bever das Logenmeisteramt. Bever beteiligt sich 1848 am so genannten „Vorparlament“, um die Wahlen zur ersten deutschen Nationalversammlung vorzubereiten. Zwischen 1860 und 1887 wechseln mehrere Logenmeister. In diesem Zeitraum (1863) tritt auch der Kaufmann Emil Rittershaus aus Barmen, Dichter des bekannten „Westfalenliedes“, der Loge bei und setzt sich in den folgenden Jahren intensiv als Präsident des Vereins deutscher Freimaurer“ gegen die Zersplitterung der Freimaurerei ein.

1866 wird der Schuldirektor und Heimatkundler Wilhelm Tobien aufgenommen, späterer Ehrenbürger Schwelms und seines Zeichens Erfinder der Stadtbibliothek und des heimatkundlichen Museums (jetzt „Haus Martfeld“), sowie glühender Verfechter der allgemeinen Volksbildung. 1887 wird der Beyenburger Kaufmann Bernhard Braselmann Logenmeister. Unter seinem Vorsitz feiert die Loge 1892 mit 90 Mitgliedern ihr 100jähriges Bestehen. Sogar Kaiser-Witwe Viktoria gratuliert. Auf Braselmann folgt nach 22 Jahren Bruder Ernst Saatweber aus Barmen. Zu diesem Zeitpunkt zählt die Loge 126 Mitglieder.

Weltkriege

01.08.1914. Der Erste Weltkrieg bricht aus. 1915 folgt der Drucker und Verleger Paul Scherz als Logenmeister dem verstorbenen Bruder Saatweber. Am 09.11.1918 ist das deutsche Kaiserreich am Ende. Die Republik wird ausgerufen. In Folge von Massenverarmung und sozialen Unruhen heizt sich die Stimmung auf. Die NSDAP formiert sich. 1927 übernimmt der Langerfelder Apotheker Martin Diester den Vorsitz. Die Brüder planen ein eigenes Logenhaus und erwerben hierfür ein Grundstück an der Bahnhofstraße. Doch zum Bau kommt es nicht. Mit Ernennung Hitlers zum Reichskanzler geraten die Logen unter Beschuss. Am18.07.1935 löst sich schließlich auch die Schwelmer Loge unter massivem Druck der Nazis auf. Offiziell zumindest. Logengüter werden beschlagnahmt und zum Teil von Brüdern gerettet, das Grundstück verkauft und das Logenvermögen liquidiert.

Der zweite Neuanfang

Nach Zusammenbruch des dritten Reiches wird die Loge vom Mediziner Dr. Max Krug unter großer Kraftanstrengung wieder belebt. Der ehemalige Logensitz ist zerstört. Dr. Krug stellt ein Zimmer seiner Wohnung als Tempel zur Verfügung und wird zum neuen Logenmeister gewählt. Auf Krug folgt der Studienrat und Heimatkundler Dr. Emil Böhmer. Böhmer, Leiter des Stadtarchivs und Heimatmuseums, wird für seine Verdienste zum Ehrenbürger Schwelms ernannt. Als Bruder Böhmer den Vorsitz der Loge in andere Hände legt, zählt der „Westfälische Löwe“ nur noch 32 Mitglieder. Die Logenräumlichkeiten wechseln häufig, genau wie die Logenmeister.

Die jüngere Vergangenheit

Von den Folgen des zweiten Weltkrieges hat sich auch die Schwelmer Loge nie wirklich erholt. Erst in den letzten Jahren zeichnet sich wieder ein allmählicher Aufwärtstrend ab. Nachdem der Westfälische Löwe zwischenzeitlich sogar weniger als zehn Mitglieder hatte, ist der Kreis der Brüder mittlerweile wieder deutlich angewachsen. Ein Zeichen der Hoffnung? Wir denken schon. Die Zeit scheint wieder reif zu sein für freimaurerische Ideen und Ideale. Immer mehr junge Menschen finden wieder Halt in der Freimaurerei, scheinen bereit sich zu bilden, an sich zu arbeiten, um so die Welt für sich und die Mitmenschen ein kleines bisschen lebenswerter zu gestalten.